Montag, 26. Dezember 2011

Alle Jahre wieder... Fieberwickel

Teekanne mit Teekräutern
Teekanne mit Lindenblüten, Holunderbeeren und Holunderblüten


Gehört ihr auch zu den Menschen, die ihre häuslichen Traditionen wahren?
Ich versuche sie zu bewahren, hinterfrage manche und falls es ein Jahr nicht klappen sollte, kribbelt es unruhig im Bauch. Meine Kinder lieben diese Regelmäßigkeiten genauso, sie geben dem Jahreskreis eine Struktur, schenken Vorfreude sowie Erinnerungen an die vergangenen Jahre.

Auf eine Tradition könnte ich allerdings gut verzichten. Sie ist recht neu - ungefähr ein Jahrzehnt. Meine älteste Tochter hat sie eingeführt und meine beiden anderen Töchter nahmen sie bereitwillig auf. Alle Jahre wieder habe ich kranke Kinder an Festtagen.

fertiger Fiebertee

Auffallend ist, sie sitzen still und leise am Tisch (so wohlerzogen), sie essen langsam (tolle Esskultur) und sie wollen nur kuscheln (Ach, wie herzig!). Kein Verlangen nach Nachtisch (Ja,ja - ist ja auch ungesund), keine Frage nach TV (Was habt ihr eigentlich für Kinder?).
Eigentlich ganz normale Kinder, nur haben sie eine Vorliebe auf Mittelohrentzündung, Scharlach,  Rota - oder Noroviren, Bauchspeicheldrüsenentzündung und diverse andere Kinder-krankheiten. Diese bekommen sie genau an den Tagen, an denen man entweder Gäste erwartet oder selber jemanden besuchen möchte.

Katzen lindern Beschwerden jeglicher Art

So auch diesmal. Die Kleine - sonst eher eine kleine Raupe Nimmersatt - verschmäht seit Tagen das Essen. Der Bauch tut weh. Letztes Jahr hatten wir lange mit der Bauchspeicheldrüse zu kämpfen. Wer denkt schon daran, dass ein Kind damit Schwierigkeiten hat? Sie hat Heißhunger, aber sobald sie isst, wird ihr schlecht. Also immer "Hab-Acht-Stellung" und Fett vermeiden. Bauchweh und Appetitlosigkeit ist aber auch bei ihr ein Zeichen für Erkältung oder diverse Zipperlein - also hilft nur abwarten. Gestern "Zwiebelaugen" - gläsrig und rot unterlaufen und selbst bei der Bescherung blieb unser Wirbelwind matt und müde. Sie war eiskalt anzufassen und fror ununterbochen.

Heute Mittag kein Hunger und dann der entscheidende Hinweis: "Mama, mein Kopf tut weh und die Ohren und der Bauch!" Sie legte sich freiwillig auf das Couch, Smoky schaute und kuschelte sich sofort zu ihr. Er hat die richtige Antenne für die Kleinen. Mit ihm im Arm schlief sie sofort ein. Das Thermometer zeigte erst 38,5° C und kurze Zeit später 40,2° C. 

Also suchte ich mir meine Kräuter für einen Tee zusammen.
Holunder- und Lindenblüten helfen schnell bei Fieber und schmecken süß. Ich nehme auch gerne Heidelbeeren für die Kinder dazu. Heidelbeeren sind für mich die wichtigsten Kinderbeeren. Nicht nur für verschiedene Verdauungsprobleme oder für die Blutbildung und Stärkung des Körpers - sie senken auch Fieber und helfen mit Vitamin C bei Erkältungen. Tee für die Atemwege darf man süßen, während man Tee für die Verdauung eher ungesüßt trinken sollte.


Essigwasser und die Tücher

Dann bereitete ich schon mal Wickel vor. Wickel gibt es bei meinen Kindern nur, wenn sie wach sind, sie über 39,8° C fiebern und es tolerieren. Ich lasse die Kleinen gerne fiebern. Sie neigen nicht zu Fieberkrämpfen und die hohe Temperatur sorgt dafür, dass Kinder das tun was ihrem Köper gut tut - schlafen und damit dem Körper Ruhe gönnen. Ab 40° C wird es bei der Kleinen schwierig das Fieber unter Kontrolle zu halten. Es steigt dann schnell und ab 40,5° C fängt sie an schlecht zu träumen und redet wirr.

Tuch im Essigwasser tränken


Wadenwickel darf man nur anwenden, wenn die fiebernde Person auch warm an Waden, Armen, Händen und Füßen ist. Falls nämlich die Extremitäten kalt sind, reagiert der Körper auf die kalten Wickel mit Temperaturanstieg. Er möchte schließlich eine hohe Temperatur um die Krankheit zu bekämpfen. Wenn der gesamte Körper "glüht" ist er auch bereit die sanften Hilfen zur "Hitzesenkung" anzunehmen. Ich möchte auch nicht, dass das Kind komplett fieberfrei dadurch wird, es soll nur kontrolliert fiebern können. 

nasses Tuch um die Wade wickeln


In einer Schüssel kommt lauwarmes Wasser (kein kaltes!) und ein kräftiger Schuss Obstessig. Man sagt das Wasser sollte 2-5° C kälter als die Fiebertemperatur sein. Ich gehe nach Handwärme. Kälter wird es von alleine und das getränkte Tuch kühlt auch schnell ab. Man könnte Salz noch hinzugeben oder ätherische Öle (Melisse), aber ich belasse es bei Essig.


trockene Handtücher um die nassen Wickel wickeln


Vor dem Wickeln sollte die Toilette noch einmal aufgesucht werden, denn die Wickel sollten ca 10 - 20 min wirken können. Je höher das Fieber um so häufiger muss man wechseln. Das im Wasser getränkte Tuch wird leicht ausgewrungen um das Bein gewickelt und um dieses kommt ein trockenes Handtuch. Falls das erste Tuch zu sehr ausgedrückt wurde, erzeugt es Wärme! Nur nasse Tücher wirken fiebersenkend! So sollte der Wickel am Körper nicht warm oder trocken werden. Damit das Couch oder Bett trocken bleiben, sind Unterlagen von Vorteil.


Die Füße werden warm gehalten

Man sollte straff wickeln, ich wickle so, dass die Wickel sitzen und es meinen Kindern angenehm ist. Das Fieber sollte nicht zu schnell abgesenkt werden, da es sonst den Kreislauf zusätzlich schwächt. Die Füße werden in Strümpfe gesteckt und dann wird der kleine Patient noch mit der Decke zugedeckt.
Wie sie klein waren, wollten sie keine "Fummelei" an den Beinen haben und da gab es dann Wickel an die Arme. Das geht genauso.
Momentan fiebert meine Kleine immer noch und die Nacht wird wohl etwas kurz. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass es nicht das Mittelohr ist, was hier zum Fieber geführt hat.




Freitag, 23. Dezember 2011

Ich wünsche euch...


... dass ihr immer findet was ihr braucht - oder gerade verzweifelt sucht.




Gesund sollt ihr bleiben und zur rechten Zeit unerwartete Hilfsbereitschaft erfahren.




Eure Pläne sollen aufgehen wie guter  Hefeteig...




...habt dafür immer genug Puste und Ausdauer ...



... behaltet immer den Durchblick...



und seid nicht verzagt - Traut euch!




Genießt die Kontraste im Leben...




... bewahrt euch eure Träume und  lebt sie  aus.




Genießt die stillen, zarten Momente...


... habt Mut und treibt es auch mal bunt ...



... verliert dabei aber nie den Blick für die Realität...



und lasst euch von unsinnigen Verboten nicht aufhalten!


Und nicht zu vergessen:

Frohe Weihnachten sowie einen guten Rutsch, bei bester Gesundheit, ins neue Jahr 2012!


Ein "Dankeschön" auch an dieser Stelle für eure Anmeldung hier als regelmäßige Leser. Es ist schön, euch und eure Blogs näher kennen zu lernen und zu erfahren, wie sich die Bloggerwelt verknüpft.
Danke!


Sonntag, 18. Dezember 2011

Ein "Wozu?" und "Wofür?" gegen das "Warum?" - Gedankenspielerei



An manchen Tagen fragt man sich selber: "Warum passiert mir eigentlich ständig...?", "Warum ich?" oder man bekommt dieses vorwurfsvolle: "Warum hast du ...?"


Dieses vorwurfsvolle "Warum?" geht mir am meisten auf die Nerven. Es drängt einen in die Verteidigungsposition und zur Rechtfertigung. Man kann sich dessen kaum entziehen.
Muss man sich ständig rechtfertigen? Eigentlich könnten sich doch die Menschen selber einmal Gedanken machen, was der andere vielleicht erreichen wollte. Da beginnt aber das Problem, denn der Fragende hat schließlich schon durch seinen vorwurfsvollen Ton gezeigt, dass er eine Meinung  - seine Meinung dazu hat.  Nun wartet er nur noch darauf, das der Antworter seine (schlechte) Meinung bestätigt. Was er nicht gebrauchen kann sind sachliche Begründungen. Die will der Fragende nicht hören und deshalb unterbricht er, wird laut oder macht sich lustig über den Antworter.
Es ist nichts weiter als ein trauriges Machtspiel.



Die andere "Warum-Falle" liegt bei einem selbst. Viele Menschen fragen nach dem "Warum?" in Situationen, in denen es ihnen nicht gut geht. Sie fühlen sich durch die fehlenden Antworten als Opfer und diese Opferrolle führt oftmals zu Selbstmitleid. Es wird dadurch schwierig wieder nach vorne zu blicken.

Ich denke, man muss in die Vergangenheit blicken um manches verstehen zu können, aber auf viele "Warums" gibt es keine Antwort und das muss man akzeptieren können.


Ich habe mal überlegt, was es für Synonyme für "Warum" gibt. Es wären:

☻Wie kommt es, dass?            ☻ Weswegen?
☻Weshalb?                              ☻ Wieso?                        
         
☺Wofür?  
☺Wozu?        

Fällt euch etwas auf? Die schwarzen Smileys kennzeichnen die Fragewörter, die wie das WARUM, im schon Geschehenen ihre Begründungen suchen. Im normalen Alltag, in sachlichen Situationen, sind sie die unverzichtbar und oftmals sind sie die typischen "Rechtfertige-dich!" Fragen. Es sind aber leider auch die zermürbenden Fragewörter, die einen in schweren Zeiten handlungslos werden lassen. Es gibt schließlich nur in der Vergangenheit verweilende Antworten.

Wie anders sind für mich die beiden Wörter "Wofür" und "Wozu"!
Sie verlangen auch nach einer Begründung. Sie verlangen aber danach, dass man sich mit dem Vergangenen beschäftigt und dennoch vorwärts blickt und aktiv wird. Man überlegt dabei, was man mit dieser Erfahrung nun  machen wird. Man sucht sich aus dem Schlechten etwas Gutes, einen Sinn und Nutzen.

Ich habe für mich entschieden, dass ich an schlechten Tagen nicht nach dem "Warum und Weshalb" fragen werde, sondern gerade an diesen Tagen mich für ein bewusstes "Wozu und Wofür" entscheide. 





Mittwoch, 14. Dezember 2011

Der kleine Baumwollfaden




Diese selbst gebastelten Windlichter verschenkten unsere Kindergartenkinder. Sie wollten mit ihren kleinen Lichtern "Licht und Wärme" bzw. "Freude und Liebe" verschenken. Es ist ihnen geglückt.
Zu dem Foto kam mir die Geschichte vom "kleinen Baumwollfaden" in den Sinn:


Es war einmal ein kleiner Baumwollfaden, der hatte Angst, dass es nicht ausreicht, so, wie er war:

„Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach“, sagte er sich, „und für einen Pullover zu kurz. An andere anzuknüpfen, habe ich viel zu viele Hemmungen. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und farblos. Ja, wenn ich aus Lurex oder wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid.

Aber so?! Es reicht nicht! Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Niemand mag mich – und ich mich selbst am wenigsten.“ So sprach der kleine Baumwollfaden, legte traurige Musik auf und fühlte sich ganz niedergeschlagen in seinem Selbstmitleid.

Da klopfte ein Klümpchen Wachs an seine Tür und sagte:

„Lass dich doch nicht so hängen, du Baumwollfaden. Ich hab’ da so eine Idee: Wir beide tun uns zusammen. Für eine Osterkerze bist du zwar als Docht zu kurz und ich hab’ dafür nicht genug Wachs, aber für ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu jammern!“

Da war der kleine Baumwollfaden ganz glücklich, tat sich mit dem Klümpchen Wachs zusammen und sagte: „Nun hat mein Dasein doch einen Sinn.“ Und wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollfäden und kleine Wachsklümpchen, die sich zusammentun.


nach Hermann-Josef Coenen

Sonntag, 11. Dezember 2011

Sturmspaziergang


 Ich habe es genossen! JA, ich genoss den Spaziergang in vollen Zügen und mit allen Sinnen.

Die Frankenwaldhöhen sind bekannt dafür, dass es immer windig und frisch ist. Das ist angenehm in heißen, trockenen Sommern, aber es ist auch ein Naturerlebnis, wenn die Winde etwas heftiger werden.

Dank Poldi bin ich in dieser Woche wieder in den Genuss gekommen, bis in die letzte Pore meines Körpers Leben zu spüren.

Am Morgen der Alltagsbetrieb. Fließendes Gewusel. Dann urplötzliche Stille, als die Kinder das Haus verlassen haben. Zeit zum Gassi gehen. Ein Blick nach draußen lässt nicht viel Gutes hoffen. Noch liegt auf der Wiese Schnee, doch es hängen tiefe Wolken am Himmel. Die Bäume neigen sich im Wind.  Es ist 7.45 Uhr, es ist immer noch dunkel und die Temperatur liegt bei  +3°C. Gefühlt liegen die Temperaturen deutlich darunter.


Poldi ist hocherfreut, als ich - dick verpackt - mir die Leine nehme und "Gassi!" rufe. Seine Begeisterung lässt kurze Zeit später merklich nach, sobald wir das Dorf verlassen und das freie Feld betreten. Ein scharfer Wind lässt seine langen Haare fliegen und ihn die Straßenseite wechseln. Ich erfreue mich an meiner Jacke, die windfest, wasserdicht, gut gefüttert und vor allem mit hohen, zuknöpfbaren Kragen gesegnet ist. Damit die Kapuze mir nicht in die Augen hängt, trage ich noch eine Schirmmütze darunter. Ja, ich fühle mich gewappnet. Unter der Jacke trage ich noch Wollpulli, T-Shirt und Unterhemd. Auch die Hose ist wetterfest. Thermohose muss es sein - jawoll! Handschuhe für -20° C gehören dazu. Es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Kleidung.



Während ich den Berg hochlaufe, wird der Wind noch heftiger. Er zerrt an den Hosenbeinen und macht das Laufen schwer, doch die Aussicht, dass ich bald auf der Höhe bin, lässt mich zügig ausschreiten. Mittlerweile fängt es an zu nieseln. Das ist an sich nicht schlimm, doch der scharfe Wind lässt den Nieselregen wie kleine scharfe Nadelspitzen meine Haut traktieren. Das Sehen wird schlechter, durch den Wind kann ich die Augen nicht mehr als zu einem Blinzeln öffnen.
Ich versuche mit geneigtem und zur Seite gedrehtem Kopf die Anhöhe zu erreichen. Die Augen tränen und ich kann nur noch flach durch den Jackenkragen atmen. Poldi springt normalerweise - wenn ein Fahrzeug kommt - sofort über den Graben auf die Wiese und setzt sich ohne Kommando hin. Heute blickt er ständig um sich und ist unsicher. Hört er auch nichts? Das Nieseln wird auf der Anhöhe zu Graupel. Durch den aufbrausenden Wind vernimmt man nur noch den "Gesang der Sturmfrauen" und spürt das beharrliche Staccatissimo der feuchten Eiskügelchen. Das Gesicht schmerzt. Mittlerweile ist die windausgesetzte Jackenhälfte richtig nass und ein Hosenbein klebt feucht an der Haut.


Dann komme ich an einer hohen Hecke vorbei. Die Hoffnung, dass es sich dort besser spazieren gehen lässt, erfüllt sich nicht. Mächtig ist das Heulen und Tosen durch die Zweige. Es ist eine irrsinnige Kraft, die an der Kleidung zerrt. Die Jacke wird spürbar immer schwerer. Winddicht scheint sie zu sein, die Kälte kann mir nichts anhaben. Leider dringt im Schulterbereich das Wasser ein und das so zügig, wie es permanent heftig auf mich prasselt. In den Armbeugen spüre ich zusätzliche Nässe. Ich muss schmunzeln. In jungen Jahren durfte ich auf einem Motorrad mitfahren. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit hatte ich Schwierigkeiten mit dem Luft holen. Nun geht es mir wieder so. Der Wind und der Graupel treffen mich zu hart im Gesicht. Ich muss in verdrehter Haltung weiterlaufen, um tief einatmen zu können.

Eines erkenne ich erstaunt. Ich dampfe! Nein, nicht nur aus dem Mund wegen der Kälte, sondern aus der Jacke. Belustigt stelle ich fest: Sie ist zumindest atmungsaktiv. Meine Hand greift in die Tasche. Nase putzen wäre toll, aber leider ist meine Jackentasche durchweicht und der Inhalt dementsprechend.

Mittlerweile sind wir 1,5 km unterwegs. Bei uns gibt es viele Fichtenbestände. Durch den Wald hindurch zu laufen hat selbst bei diesem Wetter seinen Reiz. Der Wind ist nicht mehr so heftig. Der "Gesang" milder, gleichmäßig aber beharrlich. Ich schaue zu ein paar einzeln stehenden Fichten. Sie biegen sich im Rhythmus und nach einer Zeit muss ich wegsehen, da die Bewegung bei mir Schwindel verursacht.
Eines geht mir spontan durch den Kopf. Ich rieche nichts! Gerade die Gerüche in der Natur regen mich an oder lassen mich zur Ruhe kommen. Heute wird jeglicher Duft von harzigem Holz, vermoderten Blättern, würzigem Waldboden und dumpfem Pilzgeruch einfach fortgetragen.

Im Wald ist vom Graupel nichts zu spüren. Statt dessen fallen dicke Tropfen von den Bäumen, prallen auf die Kapuze und bilden ihren eigenen Tonverlauf. Das Wasser rinnt schon den Rücken entlang und wird vom Bund der Thermohosen ausgebremst. Ich bemerke fasziniert, dass bisher meine Füße scheinbar trocken bleiben. Sicherlich nicht lange, denn beide Hosenbeine kleben an meiner Haut fest und das Wasser sammelt sich spürbar am Sockenbund.

Aus dem Wald heraus trifft mich das Unwetter mit voller Wucht. Selbst meine unverwüstliche Fellnase zieht den Kopf und Schwanz ein. Zeitweise stolpere ich nur vorwärts, teilweise laufe ich wie gegen eine Mauer. Energie durchströmt mich. Diese Wildheit und Urkraft ist phänomenal und begeistert mich. Ich muss die Stirn bieten, um vorwärts zu kommen und je mehr ich mich anstrengen muss, umso mehr Spaß empfinde ich dabei. Ich nehme den Kopf hoch und blicke in den Himmel. Wie in der Dusche strömt das Wassser über mein Gesicht und läuft den Hals hinunter. Egal. Nasser kann ich nicht mehr werden. Auf den Augen bleiben die Graupelkörner liegen. Der Kältereiz ist enorm. Es wird ein Spiel zwischen den "Sturmfrauen" und mir. Sie haben mich eingeladen und nun bin ich Teil von ihnen. Ich bin im tosenden Sturm und bin dennoch Beobachter. Überwältigend der Blick auf das Dorf, das im Tal liegt. Es herrscht darüber ein interessantes Wolkenspiel. Ob die Leute in den Häusern wissen, was ihnen entgeht?
Hier draußen spürt man Leben pur!
Was stört es, dass das Unterhemd spürbar klebt, kleine Rinnsale den Rücken entlang fließen, die Zehen nun doch von Feuchtigkeit umgeben sind. Es "quackert" bei jedem Schritt und die Überlegung bleibt, warum ich nasse Zehen und Knöchel habe und sich meine Fersen aber dagegen trocken anfühlen. Ich bin durch und durch nass, doch ich friere nicht. Erhitzt bin ich. Spürbar sind die Elemente. "Ihr Sturmfrauen seid aus Wasser und Luft und ich bringe das Feuer mit und bleibe auf der Erde!"

Alles im Einklang.


Zu Hause angekommen kann ich mich nicht ausziehen, sondern nur aus der Kleidung schälen. Vereinzelt sind sogar kleine trockene Stellen am Körper zu finden. Jacke und Hose muss ich in die Dusche hängen. Es war diesmal eine nur 3 km lange Wegstrecke, aber ich hinterlasse dennoch im Haus eine durchgehende Spur an Wassertropfen.

Den Hund schnell trockenreiben und füttern. Dann bin ich dran. Die Finger sind klamm. Mein Körper ist rot, eiskalt und nass. Die Haut pulsiert. Die Gesichtsmassage war kostenlos und nachhaltig. Selbst die Haare sehen wüst aus wie nach einem Kampf, doch riechen sie herrlich nach frischer Luft. Jetzt noch einen heißen Kaffee in Ruhe trinken. Wohlige Wärme im Haus, trockene Kleidung - ich brauche wirklich keinen Adventure- oder Wellnessurlaub - mein Wald genügt mir.

Wisst ihr was?

Das Leben ist schön!



P.S.: Kann sich einer von euch vorstellen, dass knappe vier Stunden später die Sonne durch die Wolken blitzte? Was das Thema "winterfeste Kleidung" betrifft...  Winterfest ist nicht Sturmfest, oder? ;-)
Die Bilder sind etwas älter. Fotos hätte ich an dem Tag nicht machen können.