Dienstag, 27. Juni 2017

Fussel, der kleine Buchfink (1)





Dieses Jahr begann die Vogelaufzucht-Saison recht spät. Eine sehr nette Frau rief an und teilte mir mit, dass sie einen Vogel gefunden hatte. Sie hatte in der Zwischenzeit dem Kleinen schon etliche Mücken gefangen und sogar rohes Hackfleisch als Köder ausgelegt, damit sie immer Nachschub an Mücken hatte. 



Das fand ich einfach nur genial. Meistens versuchen leider die Finder, den Vogelkindern Würmer, Hackfleisch, Ei oder Obst zu füttern, was zu schweren Verdauungsschäden und oftmals zum Tod führen kann. Vogelbabys sperren ihren Schnabel aus Reflex auf. Sie schlucken leider alles, was man ihnen in den Schnabel steckt und deshalb denken viele Menschen, sie füttern das Richtige. Mit Insekten macht man bei Singvögeln am Anfang am wenigsten falsch. Übrigens, die viel gelobten Mehlwürmer sind "Vitamin B-Räuber" und sind kein geeignetes Aufzuchtfutter. Vögel, die ohne mineralstoffreichem Futter aufgezogen wurden, haben oft Gefiederschäden. Von daher sind Futter-Experimente absolut fehl am Platz.



Als die Frau ihn mir brachte, war die Sympathie gegenseitig. Ich freute mich, dass sie so viel Interesse zeigte und man merkte ihr an, wie sehr ihr der Vogel schon ans Herz gewachsen war.
Ein Blick auf ihn und die Vogelart war auch schnell geklärt. Es war ein fusseliges Buchfinkenkind. Die abstehenden Flaumfedern und die Ansätze der weißen Flügelbinden verrieten es. So hatte der Kleine auch sofort einen Namen: Fussel. 



Ich rührte spezielles Aufzuchtsfutter an und gab noch Bienendrohnen dazu. Ich bin unserem Imker im Ort dafür mehr als dankbar, dass er wirklich immer an mich denkt und mir Bescheid gibt, wenn es frische Drohnen gibt. Diese hole ich dann ab und friere sie ein. So habe ich für den Notfall immer hochwertiges, energiereiches Futter vorrätig, bis ich dann für die Vögel Lebendfutter (z.B. Heimchen, Fliegen) gekauft habe. 





Kommentare:

  1. Ohhh… so klein und so hilflos der kleine Pieps, der Fussel.
    Meine Güte, so viel Glück hatte er, von einer lieben Frau gefunden zu werden, die so viel Fürsorge und Engagement zeigte und dass er letztendlich zu dir, liebe Carola, gefunden hat. Glück im Unglück.
    Es reicht nur ein Blick auf den Kleinen und mein Herz schlägt auch höher und ein Gefühl der Fürsorge stellt sich sofort ein.
    Wie gut, dass du es gepostet hast und somit haben viele die Möglichkeit zu erfahren, was zu tun, in solch einer Situation wäre.
    Alles Gute und Liebe für dich Carola und auch für den kleinen Fussel von der Grażyna

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    1. Grüß dich, Grażyna!

      Fussel hatte wirklich viel Glück von so einer wundervollen Frau gefunden zu werden. Ich hoffe, ich komme noch etwas häufiger dazu über Fussel zu schreiben. Es ist wirklich jedes Mal aufs Neue ein einzigartiges Erlebnis, diese kleinen Wesen zu selbstständigen, stolzen Fliegern groß zu ziehen.

      Schön, dass du hier bist!

      Liebe Grüße
      Carola

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  2. Ich bewundere Dich für Deinen Einsatz bei Igeln, Vögeln & Co. Ich selbst traue mir das nicht zu. Ich finde das einfach toll und freue mich für das Vögelchen.
    GlG

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    1. Hallo meine Liebe!

      Erstmal herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen "Prinzen". Du hast so ein gutes Gespür für Tiere, dass ich denke, dass es dir sehr leicht fallen würde, Tiere zu pflegen. Man lernt viel und immer wieder Neues und letztendlich ist jedes Tier ein Individuum und jede Pflege anders.

      Herzliche Grüße
      Carola

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  3. Wie wunderschön, liebe Carola, dass Du so jungem Leben hilfst am Leben zu bleiben!
    Ich finde das so großartig! Und all das erforderliche Wissen -
    hast Du Dir dies autodidaktisch beigebracht oder wo lernt man das?
    Dieses kleine zarte Geschöpf hatte wirklich Glück im Unglück gleich auf 2 solch wunderbare Frauen zu treffen! Ich wünsche Dir und dem kleinen Fussel alles Glück!
    ...und alles Liebe
    Heidi

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    1. Besten Dank für deine Worte, liebe Heidi!

      Ich fand als junges Mädchen schon immer kranke Tiere. Mit 16 fing ich dann an die ersten Tiere zu päppeln. Ein Taubenküken, das fast im Fluss ertrunken ist, Igel, ...
      Damals gab es leider noch kein Internet. Das macht mittlerweile es viel einfacher sich Informationen zu verschaffen, oder sich zu vernetzen. Einen Falken z.B. konnte ich zwar bergen, aber ich hätte ihn nicht behalten dürfen. Den musste ich zur Falknerei fahren, sonst hätte ich mich strafbar gemacht.
      Man lernt viel durch Beobachtung und Nachfragen. Die Erfahrung hilft irgendwann. Man wird ruhiger. Was im Internet steht muss man oftmals hinterfragen, doch findet man einfach heutzutage viel schneller gezielte Hilfe, wenn man sie braucht.

      Ich freue mich übrigens jedesmal, dich hier zu sehen. Irgendwann werde ich wieder mehr Zeit haben und dann hoffentlich wieder regelmäßig und eher auf die Kommentare antworten.

      Hab eine gute Zeit und viele liebe Grüße
      Carola

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  4. Liebe Carola,
    alle Daumen sind gedrückt für den kleinen Fussel. Hab selbst mit Vögeln nur wenig Erfahrung, finde es aber super, dass der Kleine eine zweite Chance bekommt.

    Liebe Grüße
    Chris

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    1. Hallo meine liebe Chris,

      wir kennen es doch schon von den Igelkindern. Man wächst mit den Aufgaben und so mancher Igel ist schon schwieriger aufzupäppeln gewesen als ein Vogelkind. Ich bin mir sicher, du würdest auch sofort das Päppeln anfangen. Der Kleine ist fit und darf bald raus. Ich hoffe, ich schaffe es noch darüber zu posten.

      Ganz herzliche Grüße an dich,
      Carola

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