Sonntag, 9. Februar 2014

Mr Motzki - Ab ins Winterquartier



Nachdem Mr. Motzki das stattliche Gewicht von 1.183 g erreicht hatte und seine Stacheln am Ringmuskel deutlich nachgewachsen waren, wurde es allerhöchste Zeit. Das Gehege wartete schon und da es für einen Januar milde 5° C hatte, durfte er am 16. Januar nach draußen ziehen. Hier lobe ich mir den Frankenwald, denn durch unser raues Klima, kann er noch ungestört einige Wochen schlafen. Das sieht vor allem in diesem Jahr, in anderen Regionen Deutschlands ganz anders aus. Zu viele Igel unterbrechen derzeit ihren Winterschlaf und sind völlig abgemagert in einem erbärmlichen Zustand. Igelstationen versuchen ihr Bestes um  den kranken Igeln zu helfen und sind in der schönsten Winterschlafzeit völlig überfüllt.



Durch die Pilzbehandlung schuppte zwar Mr. Motzkis Haut nicht mehr und auch der Stachelausfall war gestoppt, dennoch wirkte seine Haut noch etwas trocken. Das bedeutet, dass ich im Frühjahr auf jeden Fall noch einmal genau nachschauen muss, nicht das der Pilz noch einmal aufkommt. Aber der Gesundheitscheck ist vor der Freilassung sowieso Ehrensache. Ich hoffe nur, dass der Herr diesbezüglich nicht wieder eine Sonderbehandlung braucht. Die erhöhte Luftfeuchtigkeit draußen wird ihm normalerweise mehr Wohlbefinden schenken, als die trockene Heizungsluft im Haus.



Also wurde der kleine Stachelheld am frühen Nachmittag in seiner Ruhe gestört und nach draußen gesetzt. Warum nicht Abends oder Nachts? Ich denke mir, obwohl ich die Tage vorher die Heizung abgedreht hatte und tagsüber auch immer wieder lüftete, dass der Temperaturwechsel zwischen drinnen und draußen so etwas angenehmer für den Stachelpelz ist. Tagsüber wird er nach der kurzen Störung sich schnell wieder ein Plätzchen suchen, um weiter schlafen zu können. 



Wenn er dann wieder erwacht, fühlt er sich etwas sicherer, obwohl alles noch neu ist, aber immerhin weiß er, dass sein Schlafplatz sicher ist. Gibt man am Abend seine Igel in das Freie, sind sie munter und verwenden ihre Energie lieber darauf "Lücken im System" zu finden und versuchen auszubrechen. Außerdem ist natürlich auch ein egoistischer Gedanke dabei. Ich kann ihn beobachten, wie er auf das neue Umfeld reagiert!




Seine Reaktion war beeindruckend. Frische Luft und viele neue Gerüche, da ging das Näschen auf und ab und die kleinen Beine gaben keine Ruhe mehr. Ich hoffte ja darauf, ihn mal beim Einspeicheln fotografieren zu können, doch daraus wurde leider nichts. 




Im Gehege eingesetzt, beschäftigte er sich mit dem Schnittmaterial (Stauden, Laub, Äste) und lief erstmal die Grenze ab, statt sich mit der Einrichtung zu beschäftigen. Da werde ich ein Auge darauf haben müssen.




Am Rand des Geheges habe ich noch am Boden viel Laub, Moos und Gehölzschnitt ausgelegt, damit er nicht so schnell am Boden Lücken entdecken kann und auf die Idee kommt, auszubüxen. Um Abwechslung zu bieten muss dies sowieso - wenn der Igel wach ist - umgeändert werden.

Unter dem Moos befinden sich Steine

Auf den Hinweis einer igelerfahrenen, netten Userin habe ich dann später noch einmal das Gehege nachgebessert. Im letzten Jahr hatten meine neun Igelgeschwister keine Ausbruchsversuche gestartet. Auch Stacheline zeigte sich von der besten Seite. 




Die Userin gab mir den Rat, den Rand zusätzlich mit Steinplatten, Biberschwänzen oder Steinen zu verstärken, damit mein Rabauke sich nicht ausgraben kann. Das Igel viel Erfindungsgeist entwickeln wenn sie etwas wollen, schrieb ich ja schon, aber die Berichte über die gelungenen Ausbrüche aus verschiedenartigsten Gehegen hat mich doch unruhig werden lassen. Wenn es einem Igel zuzutrauen wäre, dann meinem diesjährigen Individualisten.




Am Anfang schaute ich alle 1/2 Stunde aus dem Fenster. Das Gehege ist so aufgestellt, dass ich ihn auch nachts, vom Fenster aus sehen kann. Wenn er in einer bestimmten Ecke des Geheges läuft, schaltet sich der Bewegungsmelder vom Haus ein. So weiß ich, dass die Stachelkugel aktiv ist und kann ihn ohne ihn zu stören beobachten.



Es hatte abends tatsächlich schon draußen 0° C und in den nächsten Tagen sollte es noch kälter werden.


Mr. Motzki bekam ein sehr deutliches Zeichen zu spüren:

AB INS BETT UND SCHLAFEN!!!




Und ihr werdet es kaum glauben, er machte es so vorbildlich wie man es sich nur wünschen kann. In der Nacht wurde noch eine genaue Inspektion des Geheges vorgenommen und schon am nächsten Tag blieb er im Haus und schlief. Pünktlich zum Schneefall.




Kommentare:

  1. Wieder ein toller Bericht und schöne Fotos von dem Igel-Held.
    LG Ursula

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    1. Vielen Dank Ursula!

      Ich freue mich schon auf den Frühling und hoffe, dass dann für Mr. Motzki eine schöne Zeit in der Freiheit beginnen kann.

      Hab einen schönen Sonntag!

      Carola

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  2. Seht interessanter Bericht! Schlaf gut Mr. Motzki!
    LG Calendula

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    1. Freut mich, wenn es dir gefällt, liebe Calendula.
      Guter Schlaf ist wirklich wünschenswert, auch wenn er nur kurz andauern sollte. Dies gehört zum Lebensrhythmus des Igels dazu und fehlt er, wird der Igel in kalter Frühlingsluft oder während einer Schlechtwetterperiode in den Schlaf fallen und damit verzögert sich die Fortpflanzung oder das Anfressen von Winterspeck.

      Liebe Grüße

      Carola

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  3. es ist so schön, deine Igelbegleitung zu lesen,
    liebe Grüße
    Hermine

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    1. Hallo meine liebe Hermine,

      es ist so schön dich zu lesen! Für solche Erlebnisse mit Tieren ist ein Blog etwas sehr Schönes. Da man selber in die Vergangenheit reisen und nachlesen kann.

      Hab einen schönen Sonntag!

      Carola

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  4. Sympathisch, beide. Der Kalle Wirsch der Wiese vorm Haus hier wird sich in den Wald zurückgezogen haben und schlafen, im Sommer werden meine Katze und ich dem wieder auf unseren nächtlichen Streifzügen begegnen. Fürsorglich, wie du dich um die Igel kümmerst, Chapeau! :)

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    1. Kalle Wirsch - ein toller Name für einen Igel!
      Es freut mich, dass du mich besucht hast. Vielen Dank!

      Lieber Ludwig, hab eine schöne Zeit und bis bald

      Carola

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  5. Der Süße hat ja ein wahres Paradies bei dir.
    Und er schaut auch ziemlich propper aus ... ;)
    Sehr interessant deine Igelgeschichten und auch die Bilder dazu sind immer originell.
    Ich lese gerne hier.

    lg Karin

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    1. Grüß dich Karin,

      Mr Motzki ist fast ein wenig zu propper geworden. Es wurde wirklich Zeit zum Schlafen. Schlank im Schlaf, das Igeldasein hat gewisse Vorteile. Würde dies bei mir funktionieren, wären das paradiesische Zustände für mich. *lach*

      Ich freue mich immer über deinen Besuch!
      Viele Grüße

      Carola

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  6. Antworten
    1. Hallo Jule,

      ja, die Igelnasen haben etwas für sich. Ich bin diesen Knopfaugen verfallen - auch wenn dieses Exemplar sich wirklich kratzbürstig zeigte.

      Hab eine schöne Woche!
      Liebe Grüße
      Carola

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