Freitag, 28. Juni 2013

Kröte in Not



Heute kamen meine Kinder um 13.15 Uhr aufgelöst nach Hause. "Mama! Du musst helfen, da passt was nicht!" Ich sah erst mal  - Nichts! Meine Große stand mit dem Fahrradhelm in der Hand vor mir und die Kleine aufgeregt gestikulierend: "Mama, guck doch endlich!" Die Große hielt mir ungeduldig ihren Fahrradhelm entgegen. Oweija, ist der Helm kaputt?  Nein, der Helm war gut ausgelegt mit frischen großen Alantblättern und darauf saß eine sehr desolate Kröte. Sie fanden sie auf der Straße im Dorf auf ihrem Nachhauseweg.


Eine Kröte mit heraushängender Zunge und kaum vorhandenen Reaktionen. Die Kinder erklärten mir mit ernster und Mitleid erregender Stimme, sie hätten die Kröte vorsichtig auf das Blatt geschoben, weil sie so weißlich "schleimt" und ihre Haut davon hängen würde. Außerdem bot sich der Fahrradhelm an, so könne man es an den prüfenden Augen der Oma vorbei schmuggeln. Oma könne man erst mal schonen, sie würde vielleicht geschockt sein, wenn WIR schon wieder ein Tier aufpäppeln. Umsichtige Kinder, oder?



Ich machte ihnen nicht viel Hoffnung, suchte aber im Internet nach Krankheiten die mit heraushängender Zunge, Einblutungen und Sekret sowie Haut abstoßender Reaktion einhergingen. Man findet weder zu Fröschen noch zu Kröten  diesbezüglich Informationen. Gefriergetrocknete Mehlwürmer, Heimchen und Garnelen habe ich meist vorrätig, aber wie sollte die Kröte fressen, wenn sie die Zunge nicht nutzen kann? Die Zunge war schlapp, scheinbar gelähmt, aber wenigstens noch nicht eingetrocknet.




Ich fand daran eine Ameise. Die Ameise war tot, aber fest verbissen. Konnte das, das Problem sein?  Wie bekommt man eine Ameise aus der Zunge ohne die Kröte zu verletzen? Meine Große erinnerte mich daran, dass wir eine Mini-Pinzette haben und so konnte ich dieses hartnäckige Tier endlich entfernen. 


Gleichzeitig versuchte ich Gwendolyn zu erreichen. Da sie selber sehr aktiv in Sachen Umweltschutz ist, weiß sie immer wieder gute Tipps zu geben. Ich sendete ihr erst einmal Bilder und sie forschte auch nach Ursachen und Hilfen. Ein Tipp den sie fand war, Amphibien erst mal (nur kurzfristig) in stark verdünntes Oralpädon  zu setzen. Die Hoffnung war, dass die Kröte über die Haut Elektrolyte aufnimmt und sich eventuell erholt. Na, ich hatte nur Oralpädon mit Erdbeergeschmack... zu der Erdkröte konnte man jetzt Erd(beer)kröte sagen. Sie reagierte auch, indem sie nicht mehr schlapp dort lag, sondern sich wieder arttypisch hinsetzte. Nachdem die Ameise entfernt war, zog sich nach einer Stunde auch die Zunge zurück. 



Was mich weiterhin irritierte, war die vorhandene Ablösung der Haut und auch die Einblutungen in den Schleimhäuten. Natürlich häuten sich die Tiere immer wieder einmal, aber da bleiben sie im Versteck und fressen ihre Haut auf. Es ist ein aktiver, verletzlicher Prozess und sie würden dabei nicht auf Wanderschaft gehen.



Die Ameisesäure kann zu einer Reizung, Blasenbildung und Anschwellung führen, aber führt sie auch zum Tod? Ist vielleicht eher Schneckenkorn dafür verantwortlich zu machen? Es ist momentan ein wunderbares Schneckenjahr. Gwendolyn informierte sich anhand der Bilder weiter und schloss Ameisengift aus. Eventuell hing die Zunge schon raus als die Ameise sich darin verbiss. Dieses Einbluten und die Hautablösung sprechen also eher für eine Vergiftung. 



Letztendlich war alles vergeblich. Ab 17.00 Uhr wurden die Lebenszeichen schwächer. Die Zunge war drin, die Kröte saß wieder und lag nicht mehr so komisch herum, aber ihre "Arme" und der Vorderleib waren plötzlich gelähmt. Um 17.30 Uhr waren immer noch die Augen offen, der Vorderleib und die Vorderbeine starr, die Hinterbeine noch beweglich aber die Atmung sehr schwach und langsam bis sie schließlich ganz aussetzte.








Hier sieht man noch einmal, wie die Haut sich ablöst, aber auch die typische Bauchseite/Unterseite einer Erdkröte. Unter vielen Tränen wurde die Kröte im Garten von den Kindern bestattet. Kröten fressen die Gelege von Schnecken. Diese "Goldaugen" sind hervorragende Nützlinge und wir sind in unserem Garten immer sehr bedacht auf sie.




Sie sind leise - das ist von Vorteil, denn es soll ja Leute geben, die Froschquaken als sehr störend für die Nachtruhe empfinden und meistens bleiben Kröten tagsüber in ihrem Versteck. Sie  haben nicht viele Fürsprecher. Diese Tiere sterben wie sie leben -leise und ohne Beachtung und so soll dieser Bericht einmal eine Ausnahme sein. 


Kommentare:

  1. Arme Kröte :(
    Viel Platz zum Leben lässt der Mensch dieser Tierart leider nicht :(

    lg Paultschi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo mein lieber Paultschi!

      Viel geschieht aus Unwissenheit. Wie ist es eigentlich für deine Flatterdamen? Würden die sich an Schneckenkorn vergreifen? Es besteht aus fast 90% Getreideschrot und scheinbar würden sie die blaue Farbe nicht erkennen und deshalb das Korn liegen lassen.

      Liebe Grüße

      Carola

      Löschen
  2. Schade, dass sie es nicht geschafft hat. Schneckenkorn ist doch für Tiere nicht giftig - jedenfalls das, was ich benutze (falls ich es benutze).Wir haben im Garten Eden auch ständig Kröten und der Teich ist wieder voll von Froschlaich und ich hätte gerne einen quakenden Frosch - aber unsere tun es leider nicht.
    GlG Christina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Christina,

      ja, Ferramol soll aufgrund seiner Eisen-III-Phosphat-Verbindung ungiftig sein für Nutz- und Haustiere. Es gehört auch keiner Giftklasse an und wird im ökologischen Anbau mit verwendet.
      Leider gibt es auch noch andere Schneckenkornarten die Metaldehyd enthalten und damit anderen Tieren großen Schaden zufügen können. Warum diese Kröte so extreme Reaktionen aufzeigte, kann leider nicht 100%ig geklärt werden, doch die Hautreaktionen und das Ausschleimen zeigen oftmals Schnecken die mit dem Metaldehyd in Kontakt getreten sind. Die Vermutung liegt also Nahe.

      ♥-liche Grüße

      Carola

      Löschen
  3. Schade, dass die Kröte offensichtlich schon so angegriffen war, dass ihr sie nicht mehr retten konntet. Schon der Kinder wegen. Aber sie haben immerhin ein offenes Auge und ein gutes Herz gehabt!
    Schöne Fotos.

    Schöne Grüße vom Schwarzen Berg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Herr Ärmel,

      schön, dass dir die Bilder gefallen.
      Es wird sicher nicht das einzige Tier in diesem Jahr bleiben. Der Tod gehört zum Leben dazu und auch das muss (leider) gelernt werden. Ich hoffe darauf, dass meine Kinder ihren Blick für die Natur bewahren und ihre Möglichkeiten wahrnehmen die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

      Viele Grüße

      Carola

      Löschen
  4. Das ist ja eine dramatische Geschichte! Schade, dass die Kröte es nicht überlebt hat :-(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Tina,

      finden wir auch. Kleine Nebenfrage, kann es sein, dass du mich gestern vorm Verhungern bewahrt hast, ein bezauberndes Mädchen hast und ich dieses gestern kennenlernen durfte?

      Liebe Grüße

      Carola

      Löschen
  5. @Kräuterfraala, haben wir uns denn jetzt am Sonntag in Kronach getroffen oder nicht?
    Grübel.

    AntwortenLöschen
  6. Hallo liebe Seifenfrau,

    leider nein. Du warst schon weg mit deinem Stand bis ich mal durchlaufen konnte. Ich war in der Amtsgerichtsstraße, gab Kräuterwissen weiter und kam nicht vom Fleck. Ich war nur froh, dass es neben mir leckere "Zungenkrapfen" und andere mittelalterliche Spezialitäten gab und eine liebe Freundin mir später noch eine Bratwurst reichte, sonst hätte ich glatt an meinem Kräuterkorb nagen müssen. Konntest du mal durchlaufen?

    Liebe Grüße(aber auch traurige - weil wir uns verpasst haben)

    AntwortenLöschen
  7. Ich bin mal durchgelaufen. Warst du diejenige, die Kräutersalbenherstellung zeigte? ...dann haben wir uns sogar kurz unterhalten. Hm?
    liebe Grüße!

    AntwortenLöschen

Vielen Dank, dass ihr eure Gedanken und Meinungen mit mir teilt!