Mittwoch, 3. April 2013

Was ist das? - Auflösung: Vom "Klöppern", Roufeln oder Raschpeln"



Bei uns lebt in den verschiedenen Frankenwalddörfern noch der alte Brauch während der Kartage "klöppernd" durch das Dorf zu laufen. Das kreative Suserl vom Blog "Büntchen" hat es also richtig erraten! Respekt meine Liebe!
Übrigens, um die Beschriftung der Bilder besser lesen zu können, müsst ihr diese nur anklicken, sie werden dann vergrößert. Bei Verwendung der Bauanleitung würde ich mich über eine Verlinkung oder Namensnennung  freuen. Vor 30 Jahren bin ich als Ministrantin auch noch durch das Dorf gelaufen und diese alte "Klöpper" habe ich in diesem Jahr meiner Großen weitergereicht. 

"Klöpper"?
Andernorts nennt man dieses Lärminstrument "Kirchenklapper", "Klitschn", "Holzklepper". In anderen Ortschaften bevorzugt man eher "Holzratschen", "Roufln", "Leiern", "Raschpeln".
Es gibt sieben Grundmodelle der Ratschenform: Brettratsche, Fahnenratsche, Flügelratsche, Kastenratsche, Klapper, Rahmenratsche und Schubkarrenratsche. Die Klapper ist also die in unserem Dorf verwendete Form und im Dialekt spricht man von der "Klöpper". In unserem Nachbarlandkreis Coburg wurde schon 1482 (laut Wikipedia) in einem alten Buch über diesen Brauch berichtet.



Es gibt den alten Brauch in katholischen Gemeinden, dass ab Gründonnerstag bis zur Auferstehungsfeier die Glocken schweigen. Man erzählte sich, dass die Glocken, bzw. ihre "Zungen" die Klöppel nach Rom fliegen und deshalb ihr Klang nicht zu hören sei. Andernorts behauptete man, dass die Glocken nach Rom flogen um dort Kraft für das kommende Kirchenjahr zu sammeln und um mit neuem Schwung an Ostern die Auferstehung feiern zu können. Der Hintergrund ist allerdings etwas nüchterner. Die Kirche fand damals, dass zu der Zeit, in der wir Jesus Leiden gedenken, der feierliche und festliche Klang der Glocken einfach unangebracht wäre, daher mussten diese schweigen. Interessant ist auch hierzu dieser Link. Damit man aber dennoch einen Anhaltspunkt für die Betzeiten hatte, wurde mit speziellen Gerätschaften im Dorf umher gezogen und dazu gesungen. Interessant ist, dass allein in den 18 Gemeinden unseres Landkreises Kronach je nach Ortschaft andere Bräuche vorherrschten/ vorherrschen.
So wurde in unserem 2 km entfernten Nachbarort Teuschnitz (dem Gemeindesitz) bis 1967 geraschpelt und dann damit aufgehört. Wie so Geräte aussehen können, könnt ihr euch hier mal anschauen. Erst Mitte der achtziger Jahre erweckte man (laut Heinz Wich) diesen Brauch wieder und so laufen auch dort wieder Klöpperkinder durch die Straßen. In unserem Dorf wurde seit jeher "geklöppert", nie "geratscht" und dieser Brauch blieb bis in die heutige Zeit erhalten. Damit ist unsere Gemeinde eine der wenigen die nicht "ratschn" sondern "klöppern". Der Dialektausdruck "ratschen" gilt übrigens auch für endlose Gespräche.



Die Klöpperzeiten verlangen den Kindern einiges ab. So trifft man sich am Karfreitag um 5.45 Uhr um pünktlich um 6.00 Uhr in gut geordneten Zweierreihen durch das Dorf zu marschieren. Zu meiner Ministrantenzeit liefen wir als geschlossene Gruppe mit über zwanzig Kindern durch das gesamte Dorf, was ca. eine Stunde Laufzeit bedeutete. Dadurch, dass die Klöpper dauerhaft im Takt (2x lang und 3x kurz - gezählt: 1--, 2--, 3, 4, 5) geschlagen wurde, hatte man meist am Ende der Kartage einen Muskelkater. Mittlerweile laufen zwei Gruppen durch das Dorf. Sie beginnen wie früher jeweils im "unteren Dorf" welches südlich liegt und zusätzlich im "oberen Dorf" am nördlichen Dorfende. Der Laufweg ist so gewählt, dass man sich nicht in die Quere kommt und alle Straßen besuchen kann. Der Anführer der Gruppe (ist meist zugleich einer der älteren Ministranten oder deren Ministrantenführer) zählt den Rhythmus vor und die "Klöpperbuom" (und "Klöppermadlas") setzen mit ihrem Instrument ein und fangen an zu marschieren. Mancherorts wird ohne Pause durchgeklöppert, doch bei uns wird seit man sich erinnern kann auch gesungen. Dazu gibt der Anführer durch Einzählen einen sauberen Abschluss des Klöpperns vor. Er zählt diesmal stark betont und recht melodisch: "1,2--, 3, 4, 5, 1--, 2--,3 und alle hören auf zu schlagen und fangen an den jeweiligen Vers zu singen.




Die Klöpperzeiten entstehen zum Einen aufgrund der regulären Betzeiten und zum Anderen als Einladung zu Kreuzweg, Andacht und Auferstehungsfeier. Der Engel des Herrn (Angelus Domini oder "Englische Gruß") wird um 6.00 Uhr, 12.00 Uhr und 18.00 Uhr bzw. 20.00 Uhr (je nach Sommer- oder Winterzeit) gebetet. Es wurde und wird sich vor den Kirchzeiten eine Stunde eher getroffen und zum Kirchgang "geklöppert und gesungen", anschließend ging man zusammen noch in die Kirche und diente auf oder nahm am Kirchgeschehen teil. Das "In die Kirche gehen müssen" wird heutzutage lockerer gehandhabt und ist freiwillig. Nur die zum Dienst aufgestellten Ministranten müssen erscheinen, die anderen dürfen sich auch gerne zu Hause erholen.

Heinz Wich hat einen Überblick über das "Raschple – Roufle – Klöppere“ in unserem Landkreis im Jahre 1986 aufgezeichnet und geht dabei auch auf die frühere Vergangenheit ein. Veröffentlicht wurde der Artikel im Heimatkundlichen Jahrbuch des Landkreises Kronach; Arbeitskreis für Heimatpflege 18 – 1990/91.

Da der alte Brauch einem stetigen Wandel unterzogen ist, Melodieverläufe und Textpassagen sich mit der Zeit ändern, möchte ich hier seinen Beitrag verwenden und mit den aktuell gehandhabten Versionen  (kursiv geschrieben) ergänzen. 


Karfreitag:
6:00 Uhr: „Ihr Christen, legt die Hand jetzt zamm, grüßt unsere liebe Frau. Sie hat heut ihren schwersten Tag, das Judenvolk den König nicht mag. Von Richterhaus zu Richterhaus wird gstoßn er aus der Stadt hinaus. Bet drei Ave Maria, drei Ave Maria!"
6:00 Uhr:„Ihr Christen, legt die Hand jetzt zamm, grüßt unsere liebe Frau. Sie hat heut ihr`n gar schwersten Tag, das Judenvolk sein König net mag. Von Richterhaus zu Richterhaus wird stoßen er aus der Stadt hinaus. Bet`s drei Ave Maria, drei Ave Maria!"

9.00 Uhr Vor dem Kreuzweg (Beginn 10.00 Uhr): „Ihr Christen, wir laden euch alle ein zur Kreuzwegandacht im Kerzenschein. Mit Maria wir den Kreuzweg gehn, den Leib des Herrn im Grab wir sehn. Weiß-rot in Wunden zermartert ganz und rein und zart in der hohen Monstranz. Wohlan, ihr sollt kommen groß und klein. Wir laden euch alle ein.
9.00 Uhr. Vor dem Kreuzweg (Beginn 10.00 Uhr): „Ihr Christen, wir laden euch alle ein zur Kirchenandacht im Kerzenschein. Mit Maria wir den Kreuzweg geh`n, den Leib des Herrn im Grab wir sehn. Weißrot in Wunden zermartert ganz und rein und zart in der hohen Monstranz. Wohlan, ihr sollt kommen groß und klein. Wir laden euch alle ein.

12:00 Uhr: „Ihr Christen, legt die Hand jetzt zamm, grüßt unsere liebe Frau. Maria unterm Kreuz jetzt steht, die Welt vor ihren Augen vergeht. Sieht sterben jetzt ihr liebstes Kind, muß büßen für unser aller Sund. Bet drei Ave Maria, drei Ave Maria!"
12:00 Uhr: „Ihr Christen, legt die Hand jetzt zamm, grüßt unsere liebe Frau. Maria unterm Kreuz jetzt steht, die Welt vor ihren Augen vergeht. Sieht sterben jetzt ihr liebes Kind, muss büßen für unsere Sünd. Bet`s drei Ave Maria, drei Ave Maria!"

Vor der Liturgie: „Ihr Christen, wir laden euch alle ein zur Kirchenandacht im Kerzenschein. Der Herr im rosafarbenen Blut, das willig er vergießen tut für alle Sünder groß und klein. Wir laden euch alle ein.
15.00 Uhr. Vor der Liturgie: „Ihr Christen, wir laden euch alle ein zur Kirchenandacht im Kerzenschein. Der Herr im rosafarbenen Blut, das willig er vergießen tut für alle Sünder groß und klein. Wir laden euch alle ein.

18.00 oder 20.00 Uhr: Durchklöppern zum Gebet (Gebetsläuten - Engel des Herrn)
Dies wird von Herrn Wich nicht erwähnt, fand allerdings auch schon vor 1986 statt, da ich ab 1983 mit klöpperte.


Karsamstag:
6:00 Uhr: „Ihr Christen, legt die Hand jetzt zamm grüßt unsere liebe Frau. Sie hat heut ihren gar stillen Tag, net reden, net essen, net schlafen sie mag. Sie betet für ihr lieb Kind, das sich ab heut im Grab befind. Bet drei Ave Maria, drei Ave Maria!"
6:00 Uhr: „Ihr Christen, legt die Hand jetzt zamm grüßt unsre liebe Frau. Sie hat heut ihr`n gar stillen Tag, net reden, net essen, net schlafen sie mag. Sie betet für ihr liebes Kind, dass sich im Grab befind`. Bet`s drei Ave Maria, drei Ave Maria!"

12.00 Uhr: Durchklöppern zum Gebet (Gebetsläuten - Engel des Herrn)
Dies wird von Herrn Wich nicht erwähnt, fand allerdings auch schon vor 1986 statt.

Samstagabend vor dem Judasfeuer und vor der anschließenden Auferstehungsfeier: „Ihr Christen, kommt jetzt alle herauf zum Gottesdienst im Gotteshaus. Das Feuer und Wasser wird heute geweiht, gerichtet das weiße Hochzeitskleid für alle Kindlein, die neu geborn, sowie auch wir sind gezieret wor'n zum Ostermahl jetzt in der Zeit, zum Hochzeitsmahl in der Ewigkeit."
20.00 Uhr: Vor der anschließenden Auferstehungsfeier: „Ihr Christen, kommt jetzt alle heraus zum Gottesdienst im Gotteshaus. Das Feuer und Wasser wird heute geweiht, gerichtet das weiße Hochzeitskleid. Für alle Kindlein, die neu gebor`n, sowie auch wir sind gezieret worden, zum Ostermahl jetzt in der Zeit, zum Hochzeitsmahl in der Ewigkeit."

Falls keine Osternacht stattfand/stattfindet wurde/wird um 18.00 Uhr oder 20.00 Uhr   durchgeklöppert zum Gebet (Gebetsläuten - Engel des Herrn)

Am Samstag nach dem Mittagsrundgang, sammelt man auch heute noch Geld ein. Schon früher bekamen wir an diesem Tag eher selten Eier oder Naschzeug. Zu meiner Ministrantenzeit wurde das Geld gesammelt und in die Ministrantenkasse abgegeben. In der heutigen Zeit wird das Geld aufgeteilt und die Kinder bekommen dies mit nach Hause.

Kennt ihr diesen Brauch? Vielleicht berichtet ihr in eurem Blog mal über gewisse einheimische Bräuche? Es wäre schade, wenn die Erinnerungen daran verloren gingen.

Bei meinem Klanginstrument wurde der Griff noch wattiert
und umwickelt, doch leider schützte dies nicht vor Blasen.






Kommentare:

  1. Wäre ich nicht drauf gekommen....ich kenn bloßnä die großen Raschpln.
    LG aus KC

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  2. Hallo :)

    toll - ich kannte bisher nur diese "Ratschen" oder wie auch immer man sie nennt. Aber diese Variante habe ich noch nicht gesehen. Bei uns im Odenwald gibt es solche Bräuche ja nicht oder vielleicht nicht mehr. Finde es aber toll wenn man solche Traditionen hat und sie noch lebt :)

    Danke für diesen informellen und schönen Beitrag :)

    Lieben Gruß
    Björn :)

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  3. Da bin ich ja gar nicht so falsch gelegen! :-)
    Der kleine Klöppel hat mich drauf gebracht, dass man damit Lärm machen könnte... nur in einem hab ich mich vertan, die Ratschenkinder kommen nicht am Ostermorgen sondern am Karfreitag, so wie du es erzählst.
    Heuer allerdings fand dieser morgendliche Brauch bei uns nicht mehr statt. Warum, weiß ich nicht.

    Danke für diesen ausführlichen Beitrag!
    Auch wenn ich nicht religiös und gläubig bin, finde ich diese Informationen trotzdem sehr interessant!

    Liebe Grüße ins Frankenland,
    Susi

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  4. Da wäre ich ja nie darauf gekommen. Ich habe mal einige Jahre im Steigerwald (westlich von Bamberg) gewohnt. Da war der Brauch auch üblich. Bei uns gibt es das aber nicht.
    Liebe Grüße von Marie

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